Mittwoch, 24. August 2016

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nert) über den Be­ruf.

caroline@adazylla.de, derzeit am besten 
unter +49(0)172 499 8902 erreichbar!
Ich biete Ihnen:
mehr als 15 Jahre Erfahrung
DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Kul­tur, Wirtschaft und Handel, Medien, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, Luxusgüter, deutsch-fran­zö­si­sche Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, Ur­ba­nis­mus, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und DDR, Afrika (Wirt­schaft/Soziales)
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ZUSAMMENSTELLUNG von Kollegenteams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jeder Einsatz ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient für das von Ihnen gezahlte Honorar, das bei uns Freiberuflern fast ausschließlich in die Arbeit fließt (da wir Marketing, Verwaltung und Management selbst machen und die Grundkosten gering halten).

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Exposés (Rewriting), Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt. 


Hier, zu welchen Inhalten ich 2015 und 2014 aktiv war sowie einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Réseau d'interprètes indépendants, pas d'agence ! Paris, Berlin, Französisch, Deutsch, simultan, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris, interprète de conférence et d'accompagnement, chuchotage, Drehbuchübersetzung, traduction de scénario.
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Foto: Dr. des. Friederike Elias

Montag, 22. August 2016

Schonpfotengang

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in aus Berlin, Paris, Schwerin und von dort, wo Sie mich brauchen! Mit der Energie zu haushalten ist die halbe Miete, dafür gibt's einen eigenen Begriff.

Als ich ein Kind war, hatten wir Katzen.  Von ihnen habe ich sehr viel gelernt, von ihnen lerne ich bis heute.

Junges Kätzchen
Gaspard de la nuit (mit Anekdote hinter diesem Link)
Der kleine schwarz-weiße Kater Felix, hat­te sich zum Bei­spiel mal ein Pföt­chen ver­staucht. Er konn­te nicht mehr so ele­gant flit­zen und schlen­dern mit seinem ver­füh­re­ri­schen Blick und den O-Bei­nen, und Hum­pe­lei war auch nicht schön, das war un­ter­halb sei­ner Kat­zen­wür­de. Denn Felix hat­te Charakter — und sei­nen Stolz.

Also bewegte er sich langsamer als sonst, belastete das verletzte Beinchen vor­sich­tig und kürzer und schlich am Ende dann doch wieder elegant durch die Wohnung.

Wir haben das "Schonpfotengang" genannt. Vor Dolmetscheinsätzen pauke ich, wie­der­ho­le alles, was ich an den Tagen bis Wochen zuvor gelernt habe, und gehe sonst auf einen intellektuellen Schonpfotengang. Denn das eigentliche Dol­met­schen ent­spricht oft nur 20 % der Arbeit. Wir müssen mit der Energie haushalten.

Auf das Konto dieses Schonpfotengangs geht auch manche lakonische Knappheit. Dazu ein Korrektoratsbeispiel. Streiche: richtig|er|. Anm.: Sie war schwangerer als ihre Schwester.

Keine lange Erklärung. Nicht heute. Donnerstag vielleicht.

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Merci beaucoup à Mandy Ahlendorf,
ahlendorf communication, fürs Foto
(eines anderen Kätzchens, bien sûr)

Freitag, 19. August 2016

Büroordnung

Abendschicht
Ob geplant oder zufällig, Sie lesen hier in meinem digitalen Tagebuch aus der Ar­beits­welt. Ich bin Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Eng­li­schen). An Tagen außerhalb von Kon­fe­ren­zen oder Außenterminen mit Kunden sitze ich am Übersetzerschreibtisch.

Selbstironie ist manchmal nicht so ein­fach. Und die Benennung von Dateien ist Teil der Kom­mu­ni­ka­tion. Das fängt mit der amerikanischen Datierung an, weil sich da­rü­ber alle Dokumente eindeutig nach Termin von selbst sortieren. In den En­dun­gen findet dann die Differenzierung statt. Was Sie nachstehend sehen, ist Satire. Sage ich lieber vorher.

160816_Wichtiges_Dokument_WIP.doc  ... [WIP = work in progress]
160816_Wichtiges_Dokument_DE_korr.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_def.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_def_korr.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_DEF.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_DEFINITIV.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_DEFINITVE_FASSUNG_DIESE_HIER_GILT.doc

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Foto: C.E. (Archiv)

Donnerstag, 18. August 2016

Henri a raison

Hello, bonjour, hallo! Was Dolmetscher und Übersetzer so erleben, schreibe ich hier auf. Und dabei beobachte ich den Alltag. Übers Wetter zu klagen ist so ziem­lich das Unnützeste, was es gibt. Trotzdem geben sich manche gern dieser Übung hin. Also auch ich.

In den letzten Jahren haben wir durch die Klimaerwärmung den typisch deutschen Sommer ein wenig vergessen. An der Ost­see herrschte Mittelmeerwetter, in Berlin bekamen wir einen Vorgeschmack darauf, dass "wir" im Jahr 2100 kli­ma­zo­nen­tech­nisch das bekommen werden, was heute Rom auszeichnet.

Da fiel mir ein Zitat wieder ein. Ein wunderbares, das lange nicht gebraucht wur­de. Monsieur Henri "Auf-Französisch-nennen-sie-mich-Hass" kannte zum deutschen Sommer einen guten Spruch. "Wer?", mögen Sie fragen. Einen Tipp: Henri, das ist der französisierte Heinrich. "OK, und das andere?", fragen Sie weiter.  

Monsieur Heinri ['aine] ... la haine, der Hass, spricht sich so aus wie der deutsche Name Heine. Von ihm stammt der Satz: "Unser Sommer ist nur ein grün­­an­­ge­­stri­­che­ner Win­ter." (Notre été n'est qu'un hiver peint en vert. Our summer is only a win­ter pain­ted in green.) Über­setzungen des Zitats sind im Netz schwer zu finden. Ich hab das mal schnell er­gänzt.

Flanellhimmel, Malergrün, blauer Akzent
Langfassung: In Kapitel 53 der Reisebilder heißt es:

" ... in unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommer ist nur ein grünangestrichener Winter, sogar die Son­ne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will; bei diesem gelben Flanellsonnenschein können unsere Früchte nimmermehr ge­dei­hen, sie sehen verdrießlich und grün aus, und unter uns gesagt, das einzige reife Obst, das wir haben, sind gebratene Äpfel. (...) Kurz, uns fehlt alles edle Obst, und wir haben nichts als Stachelbeeren, Birnen, Haselnüsse, Zwetschen und der­glei­chen Pöbel."

Die sauren, grobschaligen, zum Teil stacheligen oder wurmstichigen mehrheitlich gelbgrünen oder grün-/gelbbraunen Baum- oder Buschfrüchte ausgerechnet "Pöbel" zu titulieren, ist eine tolle Idee! Übernehm' ich glatt! Und den Titel lasse ich auf Französisch, ich mag diese neurechtschreibliche Großschreibung bei "recht haben" nicht. [EDIT: Das Kor­rek­to­rat teilt mir ge­rade mit, dass die Groß­schrei­bung hier zu­rück­ge­nom­men worden ist.] Und die nächs­ten Ta­ge wird es erst­mal wie­der wär­mer. Ouf !

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Foto: C.E.

Mittwoch, 17. August 2016

Ehefähigkeitsverfahrensdauer

Herz­lich Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer Sprach­ar­bei­terin. Was mich da um­treibt, ist seit mehr als neun Jah­ren Ge­gen­stand die­ses Blogs. Ich bin Dol­met­sche­rin und Übersetzerin und ar­bei­te mit den Sprachen Französisch und Englisch. Manches Wort bereitet auch beim 100. Mal noch Probleme.

Postkarten mit Sprüchen wie "lächeln!" drauf und Topfflanzen
Berliner Amtsstube
Mal wieder in der "Ringefirma". Re­gel­mä­ßig Ehe­schlie­ßun­gen zu dolmetschen wäre ein schöner Job, wenn nicht der Vorlauf mit­un­ter so kompliziert wäre. Hier treffen sich in den Braut­leuten das Baltikum und Afrika. Wir waren schon zwei Mal vor Ort, immer fehlten Doku­mente, von deren Existenz wir nicht einmal geahnt hatten.

Wobei die Begriffe auch nicht immer zu 100 % klar sind. Manches Dokument gibt es im Ausland nicht, also muss das Ber­li­ner Kammer­gericht entscheiden, dass ein bestimmtes Papier nicht beizubringen ist. Statt­dessen müssen Zeugen­aussagen her, die aber nicht älter als sechs Monate sein dürfen.

Es geht um das "Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis", auch Ledigkeitsbescheinigung genannt. Am Ende prüft eine andere Amtsperson die Ehefähigkeit beider Kandidaten. Hof­fent­lich dauert das Ganze am Ende nicht zu lange, sonst sind möglicher­weise die äl­tes­ten Doku­mente schon wieder ungültig.

Zwischendurch quatscht mich eine Rathausdame derartig in Grund und Boden, dass ich eine Erklär­epi­sode auslassen muss vor lauter verbalen Längenunterschieden. Und mehr­wört­rige Zungenbrecher gibt's als Dreingabe auch noch, zum Beispiel die "Erklärung der Abwe­senheit eines Ein­spruchs nach Aufgebot" - certificat d'absence of opposition. Den Blick auf wunderbare Amts­stub­en­deko kriegen wir als Drein­­ga­be.

Der nächste Termin ist beim Steuerberater, wieder mit Kunden. Ich such schon mal raus: Vorsteuerabzugssonderkonto, Ehegattensplittingsparagraph, ... Für den Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­bei­brin­gungs­be­frei­ungs­an­trag ist eine Bescheinigung nötig, ge­nau­er: für die Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­bei­brin­gungs­be­frei­ungs­an­trags­kos­ten­zah­lung.

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Foto: C.E.

Dienstag, 16. August 2016

Auf dem Schreibtisch XXXIV

Bonjour, hello, guten Tag! Hier schreibt eine Sprach­ar­bei­te­rin über den Be­rufs­all­tag als Dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch (und Über­­­set­­ze­rin). Ich arbeite für ins­ti­tu­tio­nel­le und private Kunden in Marseille, Paris, Berlin, Leipzig und fast immer dort, wo Sie mich brauchen!

In Berlin haben wir einzigartiges Herbstwetter. Ich erinnere mich jedenfalls an keinen August mit einstelligen Plusgraden in der Nacht und dem Griff zum Mot­ten­safe, zum vor Wollfraß versiegelten Wintersachen. In den Restaurants, Cafés und auf der Straße sind alle Sprachen und Akzente zu hören, nur die höchst direkte Berliner Zunge derzeit kaum. Ein wenig fremdele ich mit meiner Heimatstadt, die ähnlich leer wäre wie Paris im August, wenn eben die Touristen nicht wären.

Zwei Asiatinnen am Nebentisch
Subjektive in einem Café am Maybachufer
Es fühlt sich so an, als wäre ich derzeit die einzige Fran­zö­sisch­über­set­ze­rin in der deutschen Hauptstadt. Täglich rufen mich Kunden an, die von mir Dokumente übertragen und beglaubigt haben möchten, dabei mache ich das gar nicht, zumindest derzeit nicht, vielleicht än­dert sich das ja mal. Aber ich leite diese Aufträge immer di­rekt weiter.

Was liegt auf dem Schreibtisch? Hier meine Liste:

⊗ Aktuelle Politik (wie immer)
⊗ Übersetzung einer Webseite
⊗ Sachbuchexposé
⊗ Verschriftung eines Spielfilmklassikers (im Team)
⊗ Rechteabtretung

Zwischendurch kümmere ich mich noch um die Eheschließungspläne eines be­freun­de­ten Paars. Mittags lese ich im Café. An den Tischen neben mir wird Französisch gesprochen, Englisch, eine slawische Sprache und Chinesisch. Zwischendurch reißt mich das Gelächter der Chinesinnen aus dem Text. Sie sprechen weiter, dann bau­en sie ein deutsches Wort in ihr Gespräch ein, erst die eine, dann die andere, als würde sie den Begriff gerade erklären. Das Wort lautet "Unabhängigkeitstag". Stadtluft macht frei, die Berliner Luft offenbar besonders.

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Foto: C.E.

Montag, 15. August 2016

La mise en abyme

Welcome, bienvenue, gu­ten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer machen, kön­nen Sie hier lesen. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Englisch (Ausgangssprache). Ich arbeite in Paris, Rennes, München, Berlin und überall dort, wo Sie mich brauchen.

La mise en abyme, in Frankreich lernt den Begriff jeder Mensch, der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft studiert, im 1. Semester, wenn es nicht bereits in der Abiturvorbereitung vorgekommen ist. Das Wörterbuch lehrt mich, dass das Wort abyme vom grie­chi­schen ἄβυσσος (abyssos) stammt, was so viel wie "ohne Boden" oder "unendlich" heißt. Die Sache mit der bodenlosen Erweiterung nach unten merken wir uns mal kurz.

Der Begriff käme aus der Heraldik, lerne ich weiter, aus der Wappenkunde, und be­zeich­ne ein Bild, das ein Bild enthalte, gerne auch sich selbst. Also der Hase mit dem Schild, auf dem ein Hase mit Schild abgebildet ist, das wiederum ...

An der Pariser Universität habe ich es so gelernt, dass André Gide Ende des 19. Jahrhunderts festgestellt hat: J'aime assez qu'en une œuvre d'art on retrouve ainsi transposé, à l'échelle des personnages, le sujet même de cette œuvre par com­pa­rai­son avec ce procédé du blason qui consiste, dans le premier, à mettre le second en abyme. ("Es gefällt mir sehr, wenn der Gegenstand eines Kunstwerks im Spek­trum seiner Charaktere ein weiteres Mal umgesetzt ist – ähnlich dem Verfahren, ein Wappen in seinem Feld wiederum abzubilden." André Gide, Journal 1893.

Auf einer französischen Webseite steht diese mise en abyme inmitten der Be­schrei­bung eines Kulturevents. Es geht um ein Musiktheaterstück für Kinder. Der Be­gleit­text soll die Erwachsenen überzeugen. Aber wer in Deutschland kennt schon das Zitat von Gide und was darauf gefolgt ist?
Französische Schulkinder wissen dafür im­mer­hin, dass man das Wort abîme für Kluft, Untiefe und Abgrund sonst mit einem I statt des Ypsilons schreibt (das auf Französisch das i grec, das griechische I ist).

Und dass das Wörtchen ein "Dächle" be­kom­men hat, wie die Schwaben sagen, wissen sie auf­grund eines Lernreims.

Le chapeau de la cime est tombé dans l’abîme et celui du boiteux est tombé dans la boîte ... auf Deutsch: Der Hut des Gip­fels (la cime, dortselbst kann ich mir be­rech­tig­ter­wei­se so ein "Dächle" vorstellen) ist in den Abgrund gefallen, ins abîme — und da sitzt er nun. Der Satz geht weiter: ... und der des Hinkenden, le boiteux, den wir uns jetzt mit Hut vorstellen dürfen, ist in die Schachtel gefallen, dans la boîte, hier ist wieder ein Accent circonflexe. Der Hinkende ist wohl gestolpert.
Dieser Satz ist mir in Potsdam beim Un­ter­rich­ten an Filmhochschule und Uni vor über zehn Jahren zum Glück im richtigen Au­gen­blick wieder eingefallen.

Ich habe viele Jahre im Studiengang "Europäische Medienwissenschaft" un­ter­rich­tet. Ich werde zu diesem Zeitpunkt etwa zehn Jahre das Wort boîte nicht mehr ge­schrie­ben haben. Aber auch diese Schnurren helfen mir nicht weiter bei der Über­set­zung. Ich suche nach der mise en abyme auf deutschen Webseiten. Die deutsche Kunstgeschichte hat den Begriff unverändert übernommen, es fällt dann immer gleich der Name des Malers Jan van Eyck oder irgendwelche Spiegeleffekte.

In der Epik muss, anders als in der Heraldik, die Binnenhandlung übrigens nicht mit der Rahmenhandlung identisch sein. Ich behelfe mich mit "ein Stück im Stück". Mich lässt es nicht los. Ich suche weiter, obwohl ich schon eine Lö­sung habe.

In Forum des Internetwörterbuchs LEO wird der Romanist Prof. Dr. Ottmar Ette (mit Sitz in Potsdam) mit dem Wort "Verschachtelung" zitiert. Mir fällt wieder ein, dass ich in den Nuller Jahren auch das Konzept der Matrjoschka-Puppen zur Er­klä­rung verwendet habe. Das brachte etwas Lokalkolorit in den noch nach DDR-Rei­ni­gungs­mit­tel Lysol |riechenden| stinkenden Hörsaal, der Abzug der Russen lag noch nicht so weit zurück.

Und als ich weiterlese, stoße ich auf die Erwähnung eines holländischen Ka­kao­her­stel­lers, in dessen Dose bei uns immer der Kochkakao verschwindet: Droste. Ab­ge­lei­tet davon werde auch der Begriff "Droste-Effekt" verwendet. Im Netz finde ich unter diesem Begriff vor allem Seiten auf Holländisch und Englisch. Und mit etwas Weitersuchen auch noch Seiten auf Deutsch, und zwar für Fotografen, De­sig­ner und Kommunikationsfachleute.

Nein, ich bleibe beim "Stück im Stück", das dürften alle verstehen. Den Link zur übersetzten Seite trage ich nach, sobald sie veröffentlicht ist.

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Fotos: C.E.

Sonntag, 14. August 2016

Objets trouvés

Bonjour, hier liest, denkt und schreibt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Sonntags folgen die Sonntagsfotos.

Aus dem Arte-Film "Fundstücke" von Stan Neumann
Gefunden von Thomas Ruff
(Maschinenfotos, cf. Arte)
Gefundene Objekte sind der Gegenstand des heutigen Blogeintags. Und unter diesen Objekten blicke ich heu­te besonders auf die Fotos. Arte hat heute Mittag einen interessanten Film über den Umgang von Künstlern mit aufgefundem Fotomaterial gezeigt, l'art approprié. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich für Fotografie in­te­res­siere. Besonders spannend finde ich Bilder, die (un­ab­sicht­lich oder ge­plant) etwas über mensch­li­chen All­tag erzählen. Davon finde ich viel in photos trouvés.

Der Arte-Film "Fundstücke" von Stan Neumann, der bis zum 22.8. online zu sehen ist, erzählt allerdings von küns­tle­ri­scher Aneignung solcher Fundsachen, von Um­in­ter­pre­ta­tio­nen und Spiel mit den klassischen Codes von Studio- und Urlaubsfotografie sowie von diversen Abnutzungserscheinungen unseres Blicks, aber auch des Trägermaterials. Mein Medientipp!

Der Film hat mich angeregt, über mein eigenes Ver­hal­ten nachzudenken. Seit vielen Jahren fotografiere ich meine Subjektiven für diesen Blog. Außerdem bringe ich Fundbilder und zeige, was mir auffällt. Die digitale Fotografie führt zu ganz anderen Motiven als früher, wo die Bandbreite geringer war, weil Fotografie schlicht zu teuer gewesen wäre für als banal Empfundenes.

Ich eigne mir neben gefundenen Bildern auch Motive an und emp­fin­de das als Luxus.

Herumprobiert mit Formen und Material haben einst nur Künstler und Lehrlinge. Ich fühle mich manchmal wie eine Schülerin, die immer wieder ihre Experimente anstellt. Und denke darüber nach, welche Fotos fehlen in der Samm­lung meiner Familie und der Photos trouvées vom Flohmarkt. Zum Beispiel der Blick in den al­ten Email­letopf am Sonntag. Der Salat wartet gespült und abgetropft in der ir­de­nen Schüssel, der Fisch brät in der Röhre. Diesen Blick hätte das Urchen, wie mei­ne Urgroßmutter im sächsischen Familienkreis hieß, genauso in den Topf werfen können. Und dieser Blick ist als photo trouvée im übertragenen Sinne eine mise en abyme, denn es ist ein Fundstück im Fundstück. Die mise en abyme erkläre ich hier.

Sieben Kartoffeln in einem schwarzen Emailletopf
Draufsicht, Sonntag halb eins
Das Gestänge vom Gasherd ist heute eine Spur moderner in seiner Zeichnung. Sonst ist alles gleich. Es ist sogar ein Topf aus diesem ur­groß­el­ter­li­chen Haushalt, den die Haus­häl­te­rin wohl in den 1920-er Jahren, weil er einen kleinen Schaden hat, in einen Schrank auf dem Speicher getan hat­te, bei­sei­te­ge­stellt viel­leicht für schlech­te­re Zeiten oder für sehr viel Besuch.

Der Schlüssel des Schranks ging verloren und tauchte erst Anfang der 1990-er Jahre bei der Sanierung eines Brunnens wieder auf. Für meinen Berliner Haushalt konnte ich etliche Dinge übernehmen und habe sie seither in Verwendung. So gesehen ist das Bild der "gefundene Blick" in den "gefundenen" Topf. Im übertragenen Sin­ne die Sto­ry in der Sto­ry.

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Foto: C.E.