Montag, 8. August 2016

Basics (I): ÜNZ

Hier be­grüßt Sie ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin, auf de­ren Sei­ten Sie ge­­plant oder zu­­fäl­­lig ge­lan­det sind. Ob in Berlin, Paris, Schwerin oder Lille, ich arbeite überall als Dolmetschern und Übersetzerin. Heute überarbeite ich einen bestehenden Beitrag und kläre (erneut) die klasische Frage nach der Übersetzernormzeile.

Im Büro
Dokumente, Pro­jekt­be­schrei­bun­gen oder Filmtexte über­set­zen, Drehbücher, Inter­views oder Kommentarexte — immer muss ich das jeweils ge­for­der­te Sprachniveau ken­nen und meine Zeit richtig einteilen.
Filme sind zeitlich begrenzt, daher sind oft meh­re­re Über­set­zungs­vor­gän­ge nötig, um den richtigen Kon­zen­tra­tions­grad zu er­rei­chen.

Manchmal kommen wir um leichte Kürzungen nicht herum. Die englische Sprache ist weitaus dichter als die deutsche. Ziel ist, einen Text zu erhalten, der funk­tio­niert, zum Beispiel in der Sprecherkabine, und das bei möglichst gleich­blei­ben­der Inhaltsfülle.

Das macht mehr Arbeit, selbst, wenn am Ende das Ergebnis 'schlanker' ist. Um die Arbeit gerecht abzurechnen, gibt es den Zeilenpreis und die Normzeile.

Die von keinem Normierungsinstitut definierte Übersetzernormzeile ergibt sich aus­­ge­­hend von der Gesamtheit der Anschläge (in­klu­si­ve Leer­zei­chen) des Textes geteilt durch 55 Anschläge inklusive Leer­zeich­en (sonst in Manuskripten üblich: 60 Anschläge). Die­se Zahl kommt daher, dass man einstmals, vor der au­to­ma­ti­schen Wortzählfunktion, jede an­ge­fan­ge­ne Zei­le neu be­rech­net hat, was sich je nach Textform mal zu­un­guns­ten des Auftraggebers, mal zuungusten des Über­set­zers aus­ge­wirkt hat. Daher nutzt meine Bran­che jetzt die ver­kürz­te Norm­zei­le.

Sich wiederholende Namen und Ortsangaben zählen mit, da die Textvorlage als Lay­out­sche­ma zu berücksichtigen ist, was Mehraufwand schafft. Daraus ergibt sich: X Anschläge dividiert durch 55 Anschläge x XYZ Euro = Zwischensumme in Euro vor Steuern. Natürlich brauchen wir bei Übersetzungen fertiger Filme zum Text auch noch das bewegte Bild, um etwaige Dop­pel­deu­tig­kei­ten zu vermeiden.

Kolleginnen und Kollegen anderer Sprachen rechnen übrigens in der Regel nach Wör­tern ab. Französisch und Englisch kennen ja viele, die nur einen oder zwei Buchstaben umfassen, I, y, à, a, du, dû, tu, je, il, ne, me, va, no ...

Zum groben Umrechnen der Zeilen-/Wortpreise hat sich ein Internetkonvertierer bewährt, der allerdings das jeweilige Sprachniveau nicht berücksichtigt, was wir Spracharbeiter selbst machen. Weiterer Preisfaktor: Die zur Verfügung stehende Zeit. Trans­la­tor's Con­ver­ter is re­leased under MIT License. This web­site is made by Koen van Gilst (@vnglst).

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Foto: C.E.  (Archiv)

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